Geplant wäre eigentlich Savoia-Matera gewesen, jedoch wurde am Freitag Abend (also nicht mal 24 Stunden vor dem Spiel, als die Vorverkäufe für Heim- sowie auch Gästesektor bereits am laufen war) entschieden, die Gäste nicht zuzulassen und im Heimbereich nur Saisonkarteninhaber erlaubt waren. Ich erfuhr von dem leider erst vor dem Stadion als ich an einer Bar vor dem Stradion rund 100 Ultras von Savoia rumstehen sah die nicht wirklich einen erfreuten Eindruck machten. Sogar mit gültigem Ticket (konnte man ja im Vorverkauf beziehen) wurden Personen der Zutritt zum Stadion verwehrt von der Polizei, auf die Frage nach dem Grund konnte mir niemand eine Antwort geben...
Völlig angepisst machte ich mich dann halt auf den Weg zum Spiel Salernitana-Reggina, natürlich schaffte ich es nun erst ganz knapp zur etwa 5. Spielminute. Stimmungsmässig war es dann auch nicht so der erwartete Hit, da hat mir Salerno im Herbst gegen Savoia doch deutlich beser gefallen, die Gäste zwar mit 200, 300 Ultras anwesend (Freundschaft zwischen Salerno und Reggina), die zeigten zwar einen ansprechend Auftritt, jedoch kam gesanglich kaum was auf der Gegengerade an. Die Heimseite zwar recht laut und mit schönen Gesängen, aber das können die besser. Im unteren Teil hat meist nur etwa die Hälfte mitgemacht und im oberen Block nur ein kleiner Haufen in der Mitte.
Nach dem Spiel fiel dann die erste Metro zum Bahnhof komplett aus, den ersten Bus verpasst ich um ein paar Sekunden, die nächsten wollten nicht folgen oder blieben im Abfahrtsstau stecken. Somit verpasst ich natürlich meine geplanten Zug nach Taranto, jedoch war das Spiel Taranto-Andria ja wie erwartet ohne Gäste. Mein eigentlich geplantes Spiel Martina-Casertana wurde auch am Samstag Abend noch abgesagt (anscheinend war etwas an den Flutlichmasten kaput) und auch die weitere Alternative Frosinone-Latina wurde nach langem hin und her abgesagt (nachdem zuerst 2000 Gäste zugelassen wurden, jedoch die Haupt- und Gegengerade geschlossen sein sollte und nur die Kurve für Saisonkarten-Inhaber offen gewesen wäre, darauf boykottierten die Heim-Ultras natürlich und blockierten alle Zufahrtswege zum Stadion, sodass das Spiel schlussendlich auch abgesagt wurde). Die Stimmung dann natürlich auf dem Tiefpunkt und so entschied ich mich für den Nachtzug nach Mailand und von da direkt weiter nach Hause, ich hatte schlichtweg keine Bock mehr...
Dienstag, 31. März 2015
Benevento-Paganese, 27.03.2015, 2-0
Immerhin das erste Spiel an diesem Wochenende konnte mich noch positiv stimmen. Die coole Stadt (Bed and Breakfast le Streghe sehr zu empfehlen, der Besitzer ist langjähriger Kurvengänger in der Curva Sud Benevento) und das geniale Stadion konnte sehr überzeugen. Im Stadion der Oberrang der Kurve zu 2/3 gefüllt. In der Mitte ein Stimmungsblock von vielleicht 300-400 Ultras. Die genialen Lieder von Benevento sind mir schon beim Derby in Caserta aufgefallen, so auch heute wieder. Zwar wurden nur etwa 5 Lieder gesungen, jedoch jeweils extrem lange. Zwar litt die Lautstärke etwas darunter, wenn man jeweils alle 20 Minuten das Lied wechselt, aber dafür das keine Gäste da war fand ich den Support ganz ok. Gäste waren keine anwesend, da alles Non-Tesserati sind in Paganai. In der Curva Sud Benevento finden sich Mitglieder aller ehemaligen Gruppen (Mods, Sconvolts, etc), im Unterrang mit ca. 10 Mann noch die Teste Matte, die heute aber nicht auffielen und aktuell durch sehr viele Stadionverbote betroffen sind. Fein Nr. 1 von Benevento ist Nocerina, sowie Avellino und Caserta. Ne Freundschaft haben die gelb-roten bekanntlich mit Savoia.
Dienstag, 24. März 2015
Brindisi-Cavese, 22.03.2015, 2-1
Seit ich den Fussball und deren Aktivitäten auf den Rängen in Italien verfolge hat mich Cavese schon immer faszniert. Nur gutes kam mir zu Ohren, fast schon mythisches von den Ultras aus Cave de Tirreni werden da erzählt. Jedoch hatte ich es irgendwie nie geschafft mir Cavese selber anzuschauen. Seit einigen Jahren in der Serie D, ohne wirklichen Erfolg und vielleicht 2-3 Auswärtsfahrten im Jahr (die wird ihnen regelmässig verwehrt, trotz Serie D wo es zum Glück noch keine Tessera gibt). Nun bis Freitag war offen ob sie endlich wieder mal fahren dürften, da auch Brindisi zum Hinspiel fahren durfte waren aber doch gewissen Hoffnungen das sie fahren dürfen und auch zu Brindisi herrscht keine spezielle Rivalität. Nun, am Freitag vor dem Spiel bekamen die Jungs das OK für die Fahrt an die Adria-Küste und sofort wurden 2 Busse und mehrere Autos voll gemacht und los ging es nach Brindisi. Schlussendlich dürften es dann etwa 150 Gäste-Ultras in Brindisi gewesen sein. Auch von der Heimseite rund um die Teenager Korps Brindisi war ich gespannt, so waren sie erst im Januar mit 400 Ultras in Taranto und auch die Heimkurve war dieses Jahr schon besser gefüllt als die Jahre zuvor. Das Wetter machte dem zuerst jedoch einen Stirch durch die Rechnung, Dauerregen und starker Wind war angesagt, was dem Spiel und der Kurve wohl einige Zuschauer kosteten. So waren die Erwartungen dann doch etwas geringer, Regen in Italien ist ja immer so ne Sache. Doch den Ultras von Cavese war das egal, es kam mir fast schon magisch vor, alleine deren Corteo von den Bussen zum Stadion, einheitlich in dunkelblau, mit diversen Schwenkfahnen und lauten Gesängen! Endlich Cavese! Im Stadion ne skurile Szene, als die Spieler einliefen, alle normal zur Mitte um den Schiri und den Gegner zu begrüssen. Während die Heimelf sowie das Schiedsrichtertrio sich aufstellten, ging die Gästeelf geschlossen zur Kurve und bedankte sich bei den Ultras und hörten sich sicher 2 Minuten die motivierenden Gesänge der Ultras an. Das ganze Stadion nun am toben, während alle bereit waren das Spiel zu beginnen stehen die Spieler da immer noch in der Kurve und denken gar nicht erst daran sich aufzustellen. Erst als der Schiedsrichter vehement die Szene unterbrach konnte es los gehen. Los ging es dann auch auf beiden Tribünen. Rund um die Teenagers Korps Brindisi vielleicht 250 Ultras, lautstark und mit einen schönen Mix von kreativen Gesängen und lautstarken Wechselgesängen, das gefiel und konnte mich postiv überraschen. Die Erwartungen an den Auftritt der Gäste war nun wirklich extrem hoch, doch die wurden sogar noch übertroffen. Angeführt von einem absolut wild-gewordenen, sicher 40 jährigen Capo zog der gesamte Mob konstant über 90 Minuten mit, ja sogar in der Pause wurde munter weitergesungen. Das war kreativ, leidenschaftlich, lautstark und das bei Wind und Regen, nach 5 Stunden Fahrt in der Serie D bei einem ständig kurz vor dem Konkurs stehendem mittelklassigem Serie D Verein! ULTRAS! Mehr gibts dazu nicht zu sagen! Das war einfach nur ganz grosses Kino. Alleine dem Capo hätte ich noch stundenlang zusehen können. Wie der abging, einfach unglaublich, da kann sich selbst der Capo von Gate 13 beim letztjährigen Pokalfinale ne Scheibe abschneiden, geschweige denn der Rest. Trotz knapper 2-1 Niederlage bedankten sich die Spieler auch nach dem Spiel wieder bei den Ultras für die Unterstützung, es folgte ein sicher 5 minütiges gemeinsames Singen über Leidernschaft, über Ultras, über Diffidati, es ging auch noch weiter als die Heimelf, die sich auch ausgiebig mit den Fans feiern liessen, bereits längst in den Katakomben waren. Als die Gästeelf dann auch den Platz verliessen (durften), folgte nochmals ein minutenlanges Gesangsduell auf den Rängen. Beide Kurven hatten nämlich kein Bock auf die warme Stube resp. den Bus. Leider musste ich das Stadion dann verlassen, da ich meinen Nachtzug nicht verpassen durfte. Noch weit hörte man jedoch die Gesänge der Ultras und bald sass ich im Nachtzug in die Schweiz und träumte von den fanatischen Ultras aus Cava de Tirreni!
Paganese-Savoia, 21.03.2015, 2-2
Das nächste Lokalderby in der Region stand an. Zwar herrscht zwischen Paganese und Savoia keine Rivalität, man respektiert sich und es gibt sogar einige Kontakte zwischen beiden Szenen. Die Erwartungen an das Spiel waren jedoch doch ziemlich tief und bis kurz vor Abfahrt war ich nicht sicher ob ich nicht doch zu Avellino-Perugia fahren soll. Das Neue mit Paganese reizte mich dann aber doch mehr, auch wenn die Szene von Paganese gespalten ist und allgemein wohl ne schwierige Phase durchmachen. Die Stadt war aber vollgepflastert mit Ankündigungsplakaten von der Curva Nord dass doch gefälligst alle in die Nord sollen! Schlussendlich habe ich wohl mehr Plakate gesehen in der Stadt als Ultras in der Curva Nord ;-) Es dürften dann so 120 eher jüngere Ultras gewesen sein. Auf der Gegengerade noch eine Gruppe mit vielleicht 50 Mann, die aber schon lange vor dem Spiel mit einem beeindruckendem Support loslegten! Geschlossen, lautstark und emotional und das konstant über 90 Minuten! Dürften auch eher die etwas älteren gewesen sein, in der Kurve vorwiegend Jugendliche um die 18, angeführt allerdings von einigen Ü-40 Capos. Die Stimmungs in der Curva Nord war auch gar nicht so schlecht, wobei ich hatte ja auch kaum Erwartungen, doch die Jungs in der Kurve sorgten für ganz gute Unterstützung, jedoch waren da fast ausschliesslich Wechselgesängen zwischen Capos und Kurve. Aus dem rund 10 km entfernten Torre Annunziata waren etwa 400 Ultras angereist, welche mit genialen Liedern meinen Fuss das eint oder andere male mitwippen liess. Einfach ein geiler Mob, die Jungs von Savoia! Spiel natürlich auch sehr stimmungsförderlich, ein frühes Gästetor, welches Paganese zwischenzeitlich in ein 2-1 drehen konnte. Die letzten 10 Minuten folgte jedoch ein Sturmlauf der schwarz-weissen Gäste, welchen dann in der 91. Minute tatsächlich noch der Ausgleich gelang. Natürlich war nun der ganze Gästesektor am kochen.
Casertana-Benevento, 20.03.2015, 0-0
Durch einen Jobwechsel ende Monat kam ich noch in den Genuss von einigen Tagen Resturlaub. Genutzt natürlich für 2 schicke Italien-Touren. Per Nachtzug ging es wieder mal nach Kampanien. Das Freitag-Abendspiel, sogleich Spitzenspiel und Lokal-Derby in der Serie C, hiess Casertana-Benevento. 2 Szenen die ich bis anhin noch nicht gesehen habe, darum war ich sehr gespannt auf das Spiel und die Erwartungen an das Derby waren doch recht hoch. Rund 700 Tickets erhielten die Gäste welche auch alle verkauft wurden. Ausverkauft war auch die Gegengerade des Stadio Alberto Pini. In der Kurve rund um die Fedayn Bronx (Bronx da die Gründer der Gruppe aus einen weniger schönen Viertel Caserta's stammen) standen vielleicht um die 2000 Rotblaue Supporters. Etwa die Hälfte beteiligte sich während dem Spiel am Support. Zu Beginn des Spiels wurden zudem dutzende Blinker gezündet, ansonsten waren ständig Schwenker in der Luft, Megaphon und Trommeln waren auf beiden Seiten im Stadion. Die Gäste erst so zur 20. Minuten vollständig im Stadion legten noch etwas gemächlicher los, steigerten sich jedoch in Sachen Support stetig, in der 2. Halbzeit war das dann schon recht geil! Schöne Lieder und öfters zog der ganze Block mit. Leider blieb es trotz 2 Lattenknallern beim 0-0. Trotzdem war die Stimmung doch ingesamt auf beiden Seiten gut, die hohen Erwartungen konnten aber nicht voll erfüllt werden, vorallem von Casertana hatte ich mir noch ein bisschen mehr erwartet. Das Stadion aber auch sehr weitläufig und recht stimmungsunfreundlich. Zudem war es abends dann arschkalt, was wohl nirgends wirklich stimmungsfördernd ist, schon gar nicht in bella italia!
Donnerstag, 22. Januar 2015
Italien im Januar
Die Italien-Touren mehren sich wieder! Es macht momentan richtig Spass den Stiefel zu bereisen! So auch dieses Wochenende wieder! Kurzentschlossen ging es Freitags mit Gil und dem Nachtzug von Milano via Orte nach L'Aquila. Die Stadt die beim Erdbeben im Jahr 2009 fast vollständig zerstört wurde und über 300 Todesopfer zu beklagen hatte.
"Die Stadt hat in den letzten Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Als Universitätsstadt (begründet 1458) beherbergt sie ein pulsierendes, dynamisches und kulturell reichhaltiges Leben. Regelmäßig finden Jazzkonzerte und Theateraufführungen statt. Es findet ein täglicher Markt statt.
Die zahlreichen „Piazze“, alle durch Brunnen, Kirchen oder Palazzi geschmückt, die Modeboutiquen und netten Restaurants machen L’Aquila zu einer einladenden Stadt mit dem Charme des (von den Touristen) Unentdeckten. Man kann unter breiten Arkaden in den vielen eleganten Cafés und Cappuccinobars die italienische Lebensart genießen. Es gibt zahlreiche Lokale. In den wärmeren Monaten spielt sich das Leben vor allem draußen ab. Man spürt die Lebensfreude und die in sich selbst verwurzelte Identität der Stadt.
Wegen seines kulturellen Eigenlebens bezeichnete der amerikanische Pianist Arthur Rubinstein L’Aquila als das „Salzburg der Abruzzen“."
So liest man über das früher pulsierende l'Aquila. Läuft man heute aber durch die Innenstadt, so könnte man meinen die Katastrophe sei erst vor einem Monat gewesen. Nahezu die gesamte Altstadt ist noch immer unbewohnbar und die Aufbauarbeiten haben an den meisten Häusern noch immer nicht begonnen. Shops, Restaurants oder Bars sucht man vergebens, die befinden sich alle in provisorischen Bauten ausserhalb der Innenstadt. So wohnen auch heute noch über 10000 Menschen in provisorischen Häusern. Man munkelt dass die Mafia die Behören infiltriert hat und Hilfsgelder versickern lässt. Erschreckend so ein Gang durch die leere Altstadt, man wähnt sich fast in einer Geisterstadt!
Nun, der Hauptgrund der Reise war jedoch das Spitzenspiel in der Serie C Girone B zwischen l'Aquila und Ascoli. Das absolut geile Stadio Tommaso Fattori befindet sich nur einen Steinwurf von der Altstadt entfernt und hat wohl auch unter dem Erdbeben gelitten. Das macht jedoch gerade den speziellen Charme des Stadions aus. Einige provisorische Tribünen befinden über der ehemaligen Radrennbahn und die Heimkurve befindet sich oberhalb der Bahn. Gegenüber der Heimkurve findet man noch einige Ruinen von ehemaligen Tribünenteilen. Schön das man das Stadion noch mit einem Spiel machen konnte, gibt es doch Pläne ins Stadio di Acquasanta zu wechseln. Ascoli reiste mit 1400 Fans nach l'Aquila, welche sogleich den Zaun vollständig beflaggten und los legten wie die Feuerwehr, sehr laut, mit eher einfacherem Liedgut wurde trotz der 0-3 Niederlage über 90 Minuten lautstarkt ihre Elf unterstützt! Auf der Heimseite ein Supportermob von rund 300-400 Ultras, rund um eine der ältesten noch bestehenden Ultra-Gruppe Italiens, den Red-Blue-Eagles 1978. Sehr melodiös und gegen Ende mit gar euphorischem Support! Beide Kurven übrigens mit Trommel und Megaphon. Pyro gab es auch immer mal wieder etwas, jedoch eher unorganisiert.
Über Rom ging es dann am Folgetag für mich zu Cremonese-Mantova (Gil zog es zum Derby Fano-Maceratese und Ancona-Reggiana). Die Partie gilt als kleines Derby, ist jedoch für beide nicht der jeweilge Hauptderbygegner (dieser ist wohl Piacenza für Cremonese sowie Hellas Verona für Mantova). Und Cremonese wollte ich eh schon immer mal sehen und Mantova hat mich bei 3 besuchten Spielen nie enttäuscht. So auch heute wieder, ein kompakt stehender Ultra-Mob von rund 300 Fans machten sich im Gästeblock des Stadio Giovanni Zini breit. Über weite Strecke der (sportlich) langweilgen Partie (0-0) hatten die Gäste die Stimmungshoheit im Stadion, ganz cooler Auftritt der weiss-roten! Emotional, geschlossen und lautstark! Die Heimseite konnte nur bei Anti-Gesängen überzeugen, ansonsten beteiligten sich nur wenige am eher laschen Support. Erstaunlich oft wurde gegen Brescia gesungen, die zu den Hauptfeinden von Cremonese zählen und erst noch mit Mantova eine Freundschaft haben. Ebenfalls zu Gast bei Mantova waren einige Gäste aus Lens sowie auf Heimseite die Teste Quadre von Reggiana.
"Die Stadt hat in den letzten Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Als Universitätsstadt (begründet 1458) beherbergt sie ein pulsierendes, dynamisches und kulturell reichhaltiges Leben. Regelmäßig finden Jazzkonzerte und Theateraufführungen statt. Es findet ein täglicher Markt statt.
Die zahlreichen „Piazze“, alle durch Brunnen, Kirchen oder Palazzi geschmückt, die Modeboutiquen und netten Restaurants machen L’Aquila zu einer einladenden Stadt mit dem Charme des (von den Touristen) Unentdeckten. Man kann unter breiten Arkaden in den vielen eleganten Cafés und Cappuccinobars die italienische Lebensart genießen. Es gibt zahlreiche Lokale. In den wärmeren Monaten spielt sich das Leben vor allem draußen ab. Man spürt die Lebensfreude und die in sich selbst verwurzelte Identität der Stadt.
Wegen seines kulturellen Eigenlebens bezeichnete der amerikanische Pianist Arthur Rubinstein L’Aquila als das „Salzburg der Abruzzen“."
So liest man über das früher pulsierende l'Aquila. Läuft man heute aber durch die Innenstadt, so könnte man meinen die Katastrophe sei erst vor einem Monat gewesen. Nahezu die gesamte Altstadt ist noch immer unbewohnbar und die Aufbauarbeiten haben an den meisten Häusern noch immer nicht begonnen. Shops, Restaurants oder Bars sucht man vergebens, die befinden sich alle in provisorischen Bauten ausserhalb der Innenstadt. So wohnen auch heute noch über 10000 Menschen in provisorischen Häusern. Man munkelt dass die Mafia die Behören infiltriert hat und Hilfsgelder versickern lässt. Erschreckend so ein Gang durch die leere Altstadt, man wähnt sich fast in einer Geisterstadt!
Nun, der Hauptgrund der Reise war jedoch das Spitzenspiel in der Serie C Girone B zwischen l'Aquila und Ascoli. Das absolut geile Stadio Tommaso Fattori befindet sich nur einen Steinwurf von der Altstadt entfernt und hat wohl auch unter dem Erdbeben gelitten. Das macht jedoch gerade den speziellen Charme des Stadions aus. Einige provisorische Tribünen befinden über der ehemaligen Radrennbahn und die Heimkurve befindet sich oberhalb der Bahn. Gegenüber der Heimkurve findet man noch einige Ruinen von ehemaligen Tribünenteilen. Schön das man das Stadion noch mit einem Spiel machen konnte, gibt es doch Pläne ins Stadio di Acquasanta zu wechseln. Ascoli reiste mit 1400 Fans nach l'Aquila, welche sogleich den Zaun vollständig beflaggten und los legten wie die Feuerwehr, sehr laut, mit eher einfacherem Liedgut wurde trotz der 0-3 Niederlage über 90 Minuten lautstarkt ihre Elf unterstützt! Auf der Heimseite ein Supportermob von rund 300-400 Ultras, rund um eine der ältesten noch bestehenden Ultra-Gruppe Italiens, den Red-Blue-Eagles 1978. Sehr melodiös und gegen Ende mit gar euphorischem Support! Beide Kurven übrigens mit Trommel und Megaphon. Pyro gab es auch immer mal wieder etwas, jedoch eher unorganisiert.
Über Rom ging es dann am Folgetag für mich zu Cremonese-Mantova (Gil zog es zum Derby Fano-Maceratese und Ancona-Reggiana). Die Partie gilt als kleines Derby, ist jedoch für beide nicht der jeweilge Hauptderbygegner (dieser ist wohl Piacenza für Cremonese sowie Hellas Verona für Mantova). Und Cremonese wollte ich eh schon immer mal sehen und Mantova hat mich bei 3 besuchten Spielen nie enttäuscht. So auch heute wieder, ein kompakt stehender Ultra-Mob von rund 300 Fans machten sich im Gästeblock des Stadio Giovanni Zini breit. Über weite Strecke der (sportlich) langweilgen Partie (0-0) hatten die Gäste die Stimmungshoheit im Stadion, ganz cooler Auftritt der weiss-roten! Emotional, geschlossen und lautstark! Die Heimseite konnte nur bei Anti-Gesängen überzeugen, ansonsten beteiligten sich nur wenige am eher laschen Support. Erstaunlich oft wurde gegen Brescia gesungen, die zu den Hauptfeinden von Cremonese zählen und erst noch mit Mantova eine Freundschaft haben. Ebenfalls zu Gast bei Mantova waren einige Gäste aus Lens sowie auf Heimseite die Teste Quadre von Reggiana.
Kambodscha (ohne Fussball)
Der traditionelle "dem-Winter-entfliehen-Trip" brachte mich und meine Freundin dieses Jahr nach Kambodscha. Die wunderschönen Tempelanlagen um Angkor Wat wurden ebenso besucht wie die absolut paradiesische Insel Koh Rong vor Sihanoukville. Zwar entwickelt sich die Insel immer mehr und man sieht einige Baustellen auf der Insel. Nichtsdestotrotz herrscht am Hauptstrand wo die Fähren vom Festland ankommen eine herrlich entspannte Atmosphäre. Am ganzen rund 1 km langen Strand findet man inzwischen diverse Bungalowanlagen und Restaurants, trotzdem erscheint der Ort noch nicht überfüllt. Ruhe findet man im Pura Vita Resort rund 40 Gehminuten entfernt. Dieser kleine Resort mit 18 einfachen Bungalow befindet sich nämlich ganz alleine an einem 4 km langen traumhaften Strand. Viel los ist da zwar nicht, jedoch zum Entspannen und Fanzines lesen einfach herrlich. Der Strand war so ziemlich der schönste den ich je gesehen habe und der Sand war so fein dass es beim Laufen knrischte wie bei frischem Schnee. Aber auch die Strände am Festland kann ich empfehlen, zwar ist am Partyort Sihanoukville der Strand und das Meer nicht gerade das sauberste, findet man jedoch am Otres Beach, rund 15 km südlich gelegene, einen wunderschönen Strand mit einigen netten kleinen Resorts und Bungalowanlagen. Kambodscha wirkt allgemein wie Thailand wohl vor 20 Jahren gewesen sein muss. Noch nicht ganz so touristisch und entwickelt, das dürfte sich jedoch in naher Zukunft ändern, so sind diverse Grossprojekte geplant, unter anderem auf Koh Rong ein Flugplatz und ein Golfplatz! Froh das Land wohl noch genau zum richtigen Zeitpunkt bereist zu habe.
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