Samstag, 30. April 2016

Polen Wochenende April 2016



Polens Fanlandschaft und ich werden def. Keine Freunde mehr werden. Zu stumpf, zu emotionslos, zu durchgeplant erscheint mir das ganze Schauspiel auf den Rängen. So auch an diesem Wochenende wieder, wo es zum Topspiel des Landes, Legia Warschau – Lech Poznan kam. Es mag sicherlich grandios aussehen wenn ständig die ganze Kurve mitmacht in einer absolut beeindruckenden Lautstärke, wenn die Gäste einen derart geschlossenen Auftritt hinlegen, aber die Lieder, die Art des Supports und das mir relativ emotionslos erscheinende Publikum behagt mir überhaupt nicht. Das sind Welten zu einer chaotischen durchdrehenden Kurve in Griechenland, Süditalien oder Argentinien. Aber so sind die Geschmäcker halt verschieden, während ich mich an 15 braungebrannten und Sonnenbrille tragenden Süditalienern irgendwo an einem Fussballfeld zwischen Napoli und Lecce nicht satt sehen kann, gehen wieder andere völlig ab an nem Module Mob in Polen. 

Auch am 2. Spiel des Wochenendes ging es so weiter. Motor Lublin-Sokol Sieniawa (ohne mitgereiste Anhängerschaft) im neuen einfach nicht zu Polen passenden und absolut modernen Stadion mit 300, 400 Mann in der Kurve welche erneut eine beeindruckende Lautstärke im fast leeren Rund erzeugten, jedoch ohne mich zu begeistern. Polens Fussball sieht mich wohl so schnell nicht wieder…














Montag, 4. April 2016

Avellino-Crotone und Salernitana-Bari



Ein steter Begleiter meiner Reisen in den letzten Jahren nach Süditalien  ist der letzte Nachtzug am Freitag Abend von Milano Porta Garibaldi nach Salerno. Dieser ist nicht nur der letzte Nachtzug der Mailand in Richtung Süden verlässst, brauche darum jeweils nicht mal Urlaub einzugeben,  er ist meist auch erst noch der günstigste aller Nachtzüge da er nicht vom Centrale fährt. Ich reise halt einfach tausend mal lieber auf den Schienen als über den Luftweg. Ziel dieses Ausfluges waren zwar keine neue Stadien oder Orte, jedoch mit Salernitana-Bari ein äusserst attraktives Spiel. Zudem freute ich mich auch auf das Gastspiel von Crotone bei Avellino, hatte ich doch Crotone erst einmal im 2005 bei Arezzo gesehn, wo sie allerdings keinen bleibenden Eindruck vermittelten. Dieses Jahr nun steht der Verein aus Kalabrien jedoch bereits mit einem Bein in der Serie A und auch die Szene hat einen grossen Aufschwung hinter sich, darum erhoffte ich mir doch einen schönen Gästemob beim Gastspiel in Avellino. Schlussendlich waren es dann rund 300, welche zwar relativ spielunbezogen, jedoch durchgängig und geschlossen supporteten. Bei den grün-weissen ist die grosse Euphorie nach dem Aufstieg vor 1.5 Jahren und den grossen Spielen gegen Salerno allmählich verflogen, die Kurve war nicht mehr ganz so gut gefüllt wie auch schon und der Support dann doch eher beschaulich. Das Spiel, ein katastrophales 0-0, trug zur etwas trägen Stimmung auf der Heimseite bei.

Mit dem Linienbus ging es zurück nach Salerno wo bei meiner Ankunft im Stadio Arechi 30 Minuten vor dem Spiel das Stadion bereits gut gefüllt war. Der ganze untere Teil der Gästekurve war bereits voll (die 2800 Tickets gingen innert 24 Std. weg) und auch auf der Haupt- und Gegentribüne waren viele rot-weisse anzutreffen. Insgesamt dürften es dann etwa 5000 Baresi gewesen sein. Aber auch sonst war das Stadion ausgesprochen gut gefüllt und das ganze Stadion war heiss auf die Partie welche für beide Teams ein sehr wichtiges war, steckt doch Salerno tief im Abstiegsstrudel und Bari kämpft noch um die Playoff-Plätze. Gefeiert wurde heute aber vor allem die Freundschaft der beiden Vereine resp. den Fangruppierungen, welche inzwischen seit 1983 besteht und wohl eine der am intensivsten gelebten Freundschaft auf dem Stiefel ist. Symbolisch wurde auf der Heimseite eine herausragende Choreo über die ganze Tribüne gezeigt und die Seguaci della Nord liessen Rauchsäulen in den Farben der Klubs in den Nachthimmel steigen. Dazu immer wieder Freundschaftsgesänge des ganzen Stadions. Auch in den folgenden 90 Minuten folgten immer wieder Freundschaftsbekundungen der beiden Gruppen, resp. eigentlich des ganzen Stadions. Tifomässig war Salerno in der 1. HZ klar lauter und mit wunderschönen Liedern, während in der 2. HZ die Gäste ganz klar tonangebend waren. Dazu trug natürlich das absolut geile Spiel bei, was schlussendlich die Gäste mit 4-3 für sich entscheiden konnten, nachdem Salerno zuerst ein 1-3 aufholen konnten. Leider gelang der Granata der verdiente Ausgleich nicht und man steckt nun noch tiefer im Abstiegsstrudel. Ein Abstieg wäre sehr bitter für diesen Verein mit seiner faszinierenden Tifoseria. Mit einem 4-4 wären wohl auch alle recht zufrieden gewesen, nun aber waren auf Heimseite wütende Gesänge gegen die Mannschaft und den Trainier (oder Präsidium?) zu hören, welche sich dann aber rasch wieder in Freundschaftsgesängen umwandelten. Lange feierten die beiden Fangruppierungen danach in und vor dem Stadion noch Ihre Brüderschaft. Schon einzigartig wie intensiv die ganze Freundschaft von wirklich allen Teilen der Fanszene gelebt wird.

Genau wegen solchen Spielen, mit solcher Leidenschaft und Liebe zum Spiel und ihrem drumherum, mit einer solchen Lebensfreude und einer solchen Emotionalität, genau darum hab ich mich vor knapp 15 Jahren in dieses Land, in den Calcio hier verliebt, und genau darum fahre ich auch heute noch am allerliebsten nach Italien. Wenn dann das Wetter noch stimmt, du am nächsten Tag das Frühstück auf der Terrasse mit Blick über die pittoreske Altstadt Salernos und den Golf von Salerno geniesst, danach auf der Rückfahrt im Zug quer durch Italien die aktuellen und wieder deutlich farbenfroher gewordenen Fans Magazine’s und Supertifo’s studierst, dabei Stopp machst an vielen Orten wo historische Gruppen beheimatet sind, dir ne letzte leckere Pizza beim Umstieg in Mailand gönnst, ja dann ist die Welt für mich in Ordnung und bin einfach nur froh solche Momente immer (wieder) erleben zu dürfen!





















Sonntag, 6. März 2016

Clasico Rosarino

Noch nie hatte ich es zum Rosario Clasico geschafft, obwohl ich mehrmals in Argentinien war reichte ich es nie zum wohl "clasico mas caliente del mundo". Zumindest mit Gästen dürfte das wohl sicherlich stimmen, aber auch ohne Gäste durfte ich an diesem extrem heissen Sonntag-Nachmittag in Rosario einen absoluten Weltklasse-Auftritt auf den Rängen erleben. Die Begeisterung in der Stadt für die beiden Vereine ist wirklich an jeder Ecke zu spüren, überall sieht man die Trikots der beiden Verein im Alltag, in der ganzen Stadt gibt es die Woche vor dem Spiel kaum ein anderes Gesprächs-Thema als der Clasico. Zum Clasico gehört bei Newell's Old Boys auch immer das Abschlusstraining (Banderazo) jeweils am Donnerstag vor dem Spiel. Von Training kann keine Rede sein, es ist eher ein Feiern und ein 2 stündiges Stimmungs-Inferno der Hinchas. Um 18.00 Uhr war Stadion-Öffnung, um 19.00 Uhr  war die Bude (bis auf die Haupptribüne) voll. Um 20.30 Uhr liess sich dann die Mannschaft auf dem Feld sehen, lief 2, 3 mal ums Spielfeld und machte ein paar Mannschaftsfotos vor der Kurve (mit erbeuteten Central Fahnen im Hintergrund auf der Tribüne). Stimmung natürlich für ein Training absolut grandios, es war auch immer irgendwo etwas Pyro zu sehen und beim Einlauf der Mannschaft gab es rundherum ein grosses Feuerwerk. Erbeute Fahnen vom Stadtrivalen wurden auch immer wieder präsentiert. NOB war heiss aufs Clasico!

Dieses sollte dann 3 Tage später in der Cancha von Rosario Central stattfinden. 3 Stunden vor dem Spiel war bereits mächtig was los ums Stadion und auch grosse Teile des Stadions waren bereits voll. Stimmung aber bis eine halbe Stunde vor dem Spiel eigentlich nicht existent, als dann die Mannschaften sich eine halbe Stunde kurz aufs Spielfeld begaben begann, dann aber ein wahres Stimmungsinferno. Mit einer abartigen Lautstärke schmetterten die Jungs ihre Lieder aufs Feld, mit einer unglaublichen Leidenschaft (resp. Hass) und Intensität gesungen. Wow! Ich hatte echt schon länger keine Gänsehaut mehr, aber diese Stimmung in diesen paar Minuten war einfach unglaublich. Die Stimmung hielt dann bis zur 10. Minute an, danach war bis zur Pause aber fast gar nichts mehr los. Vielleicht war es zu heiss, vielleicht war das Spiel in der 1. HZ auch einfach zu schlecht, irgendwie war die Luft raus. Nach der Pause war die Heimelf aber wie verwandelt, wie die nun kämpften war unglaublich. 50. Minute dann das 1-0 für die Heimelf, gefolgt von einem Sturmlauf die restliche Spielzeit, es ging nur auf ein Tor, 3 Pfostenschüsse, mehrere Hundertprozentige wurden vergeben, es gab ne Rote Karte für die Gäste und dann in der 90. Minute die Erlösung mit dem 2 zu 0! Stimmungsmässig war die ganze Halbzeit dementsprechend bombastisch! Pyro gab es kaum während dem Spiel, diese wurden nämlich von der Polizei entdeckt in einem Caterer-Fahrzeug versteckt in Sandwiches. Wie man in der Zeitung im Nachhinein sah wären es mehrere hundert Artikel gewesen..














Argentinen und Brasilien im Februar 2016

Nach knapp 5 Jahren war es endlich wieder mal Zeit für eine Tour auf den gelobten Kontinent. Zwar sind ja seit einigen Jahren leider keine Gäste mehr zugelassen in Argentien, doch war die Neugier wie sich das ganze entwickelte in den letzten Jahren immer grösser geworden, zudem wollte ich meinen alten Weggefährten Lukas schon länger mal besuchen in Buenos Aires. Knapp 10 Tage weilte ich dann insgesamt in Argentinien, besuchte 8 Spiele und ein Training. Von den Spielen waren abgesehen vom Rosario Derby (siehe extra Bericht) viel durchschnitt dabei, das ganze ist im Vergleich zu früher dann doch alles etwas verhaltener geworden und die fehlenden Gäste lähmen das ganze dann doch merklich. Zumindest ein Spiel (Supercopa in Cordoba zwischen San Lorenzo und Boca mit ca. 20000 Hinchas von San Lorenzo und 30000 von Boca Juniors) war mit beiden Hinchadas im Stadion. Das Spiel konnte San Lorenzo überraschend klar mit 4-0 gewinnen, auf den Rängen hatte Boca jedoch leichte Vorteile. Insgesamt konnte das Spiel die hohen Erwartungen aber nicht erfüllen. Die lange Anreise, die grosse Hitze und wohl einiges an Umland-Fans trugen wohl auch dazu bei. Trotzdem schön wieder mal 2 der Top Hinchadas des Landes in einem Stadion zu sehen. Ansonstens waren die Heimspiele von Independiente, Huracan, Ferro und Estudiantes Caseros eher durchschnitt, Racing wie gewohnt mit gutem Auftritt und für ein kleines Highlight sorgten die Fans von Temperley gegen Boca (in der Cancha von Banfield), mit Gästen wäre das wohl ne Bombe geworden, war aber auch ohne Gäste ziemlich stark.

Nach 10 Tagen in der Hitze von Buenos Aires folgte für mich noch eine Woche Erholung am Meer Brasiliens. Paraty und besonders die Ilha Grande verzückte mich mit genialen Stränden und auch das Nachtleben kam nicht zu kurz. Ilha Grande hat mich dann derart begeistert das ich dann sogar auf 2 Spiele am Wochenende in Sao Paulo oder Rio verzichtete (das geplante Fla-Flu fand aber eh in Brasilia statt da das Maracana für Olympia vorbereitet wird).